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Faktencheck

Patientenwohl im Fokus? Der Spiegel und die Homöopathie

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Faktencheck Homöopathie Globuli Stellungnahme

In ihrem Artikel „Die Macht der Heiler“, erschienen im Spiegel Nr. 34 aus 2018, kritisierte vor Kurzem Veronika Hackenbroch Naturheilkunde und Homöopathie aufs Schärfste: Behandlungen aus dem Bereich der Komplementärmedizin seien unwirksam, teuer und gefährlich.

Therapeuten, die Globuli verabreichen, Akupunkturnadeln setzen oder schröpfen seien geldgierige Scharlatane, ihre Patienten bemitleidenswerte Opfer, die ihre Gesundheit aufs Spiel setzten. Dies alles hätte die Wissenschaft klar gezeigt. Komplementärmedizinische Methoden gehörten daher aus der Medizin verbannt.

Derartige Artikel erscheinen in den letzten Jahren regelmäßig in vielen großen und kleineren Medien. Sie sind Teil einer europaweiten Kampagne gegen die Komplementärmedizin, die maßgeblich von der sogenannten „Skeptikerbewegung“ betrieben wird. Deren Mitglieder sind zum Teil bis in die Redaktionen namhafter Medien vernetzt und nutzen diese als Sprachrohr ihrer Propaganda. Veronika Hackenbroch betritt nun mit ihrer letzten Veröffentlichung insofern journalistisches Neuland, als dass die Aufmachung des Textes darauf hindeutet, dass die beteiligten Akteure nunmehr jede Hemmung verloren haben: Unsachliche, zum Teil beleidigende Ausdrücke und eine völlig auf den beabsichtigten Negativeffekt abgestellte Perspektive dominieren den Text.

Sämtliche Gewährsleute für die dargestellten Positionen sind bekannte Gesichter der Skeptikerszene, die in der Vergangenheit bereits in den USA kräftig und teilweise erfolgreich gegen die Homöopathie agitierte. Als Beispiel für eine angeblich durch Naturheilkunde & Co. geschädigte Patientin muss gar Susanne Aust, Ehefrau des Anti-Homöopathie-Aktivisten Norbert Aust, seines Zeichens Betreiber des Blogs www.beweisaufnahme-homoeopathie.de, herhalten.

Susannchen in den Anti-Homöopathie-Kampagnen

Die Hintergründe und Interessenskonflikte der zitierten Personen werden von Veronika Hackenbroch im Spiegel-Artikel nicht transparent gemacht. Vielmehr versucht sie, zu suggerieren, die dargestellten Meinungen und Anekdoten stünden exemplarisch für einen breiten gesellschaftlichen und vor allem auch wissenschaftlichen Konsens namhafter Fachleute. Dies ist aber nicht der Fall. Wirkliche Experten für Komplementärmedizin kommen im Spiegel nicht zu Wort. Der Stand der Forschung zur Homöopathie findet keinerlei Berücksichtigung. Daher im Folgenden ein paar Fakten und Zahlen rund um die Homöopathie:

80% der Patienten, die homöopathisch behandelt wurden, berichten von einer Verbesserung der körperlichen Beschwerden, der seelischen Verfassung und des Allgemeinbefindens. Link

75% der Patienten wünschen sich ein gleichberechtigtes Miteinander von konventioneller Medizin, Naturheilkunde und Homöopathie. Link

50% weniger konventionelle Arzneimittel werden von Ärzten mit einer Zusatzausbildung in Homöopathie verschrieben, um gleiche oder bessere Therapieerfolge wie rein konventionell arbeitende Kollegen bei z.B. Muskel- und Gelenkerkrankungen, psychischen Erkrankungen und Infektionen zu erzielen. Link

400.000 Menschen in Europa und den USA sterben jährlich an den Nebenwirkungen konventioneller Arzneimittel (= dritthäufigste Todesursache nach Krebs und Herzkrankheiten). Link

Studien zur Homöopathie belegen, dass es sich um ein sicheres und nebenwirkungsarmes Behandlungsverfahren handelt, und dass Anwender im Allgemeinen ein hinreichendes Bewusstsein für Anwendungsbereiche und Grenzen haben. Link

 

Änderung der Beschwerden nach homöopathischer Behandlung

Eine Übersichtsarbeit von 14 Kosteneffizienzstudien zur Homöopathie belegt mindestens gleich gute Effekte wie in der konventionell behandelten Vergleichsgruppe und Kosteneinsparungen in 8 Arbeiten, ähnliche Effekte und gleiche Kosten in 4, und vergleichbare Erfolge aber höhere Kosten in 2 Untersuchungen. Link

Die bislang aussagekräftigste Studie zur Frage der Kosteneffizienz von Komplementärmedizin wurde 2014 veröffentlicht. Sie vergleicht über einen Zeitraum von 6 Jahren Daten von ca. 1,5 Mio. Versicherten in den Niederlanden, die von Ärzten mit bzw. ohne Zusatzausbildung behandelt wurden. Ergebnis: Patienten, die von Ärzten, die Naturheilkunde und Homöopathie einsetzen, versorgt werden, verursachen weniger Kosten, nämlich 25,5 Mio. € weniger für die etwa 19.000 Versicherten, die nur komplementärmedizinisch behandelt wurden. Diesen Patienten geht es tendenziell besser als rein konventionell behandelten. Ihre Sterblichkeit ist deutlich niedriger. Link

Was bleibt von den Behauptungen, die Veronika Hackenbroch über die Homöopathie aufstellt, wenn man die Fakten betrachtet? - Nichts. Der Artikel „Die Macht der Heiler“ ist reine Propaganda, und der Spiegel macht sich wieder einmal, wissentlich oder unwissentlich, zum willigen Werkzeug einer gegen die Komplementärmedizin gerichteten Kampagne, deren Motiv sicherlich nicht das Wohl der Patienten ist.

[Patientenwohl im Fokus? Der Spiegel und die Homöopathie]

Dr. Jens Behnke, Karl und Veronica Carstens-Stiftung
Dr. phil. Jens Behnke

Dr. Jens Behnke ist Programmleiter für Integrative Medizin bei der Karl und Veronica Carstens-Stiftung. Zu seinen Aufgaben gehören die Konzeption von Forschungsstrategien im Bereich klinische Forschung und Grundlagenforschung zu Naturheilkunde und Homöopathie sowie die Begutachtung entsprechender Projektanträge. Herr Behnke verantwortet außerdem die Pflege und Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Datenbanken zur Homöopathieforschung, CORE-Hom und HomBRex. Im Bereich Nachwuchsförderung obliegen ihm die Betreuung der studentischen Arbeitskreise für Integrative Medizin sowie der korrespondierenden Wahlpflichtfächer im Rahmen des Medizinstudiums. Hinzu kommt eine umfangreiche Vortragstätigkeit für Studierende, Ärzte und Wissenschaftler. Jens Behnke ist Mitglied der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) und dort zuständig für Wissenschaftskommunikation und Pressearbeit. Er ist als Ansprechpartner für diverse Medien etabliert, wenn es um Fragen der Forschung zu Naturheilkunde und Homöopathie geht.