Naturheilkunde
Zum Hauptinhalt springen Zum Seiten-Footer springen
Unser Gesundheitssystem und der Wille der Patient*innen

Bürgergutachten Gesundheit

Von

Veröffentlicht am
Update vom 02.12.2021
Gesundheitspolitik Integrative Medizin

Gemeinsam mit GESUNDHEIT AKTIV e. V. haben wir in Deutschland das erste Bürgergutachten Gesundheit in Auftrag gegeben. Ab Mitte September 2021 wird es von zufällig ausgewählten Bürger*innen erarbeitet. Nach der Bundestagswahl, zu den Koalitionsverhandlungen, präsentieren wir Politik und Medien erste Ergebnisse.

Update vom 02.12.2021

Das Bürgergutachten liegt mittlerweile als PDF vor.

Download des PDF

Eingemischt. Das erste deutsche Bürgergutachten Gesundheit zeigt der Politik, wie sich unser Gesundheitssystem verändern muss.

Berlin, 30. November 2021

Gerecht, individuell und offen für Mitgestaltung: So wünschen sich Bürgerinnen und Bürger die zukünftige Gesundheitsversorgung in Deutschland und geben der Politik im ersten deutschen Bürgergutachten Gesundheit eine Reihe von Empfehlungen für die kommenden Jahre mit auf den Weg. Die zentralen Forderungen:

  • Prävention stärken
  • Patientenzentrierung vor Ökonomisierung
  • Stimmrecht für Patient*innen im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA)

Im Auftrag der Bürger- und Patientenverbände GESUNDHEIT AKTIV e.V. und NATUR UND MEDIZIN e.V. hat das nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung in der Zeit vom 13. bis 25. September 2021 parallel an vier Standorten 11 Arbeitseinheiten mit zufällig ausgewählten Bürger*innen zu unterschiedlichen Aspekten der Gesundheitssystemgestaltung moderiert. Diese sogenannten Planungszellen wurden von hochkarätigen Expertenimpulsen begleitet.

Das daraus zusammengeführte Bürgergutachten Gesundheit wurde den Verhandler*innen im Rahmen der Koalitionsgespräche vorab zur Verfügung gestellt. Eine Übergabe an Vertreter*innen der neuen Bundesregierung sowie verschiedene Dialogveranstaltungen sind derzeit in Planung. “Wir sind sehr stolz, Politik und Öffentlichkeit dieses Bürgergutachten Gesundheit präsentieren zu können,” sagt Dr. Stefan Schmidt-Troschke, geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV. “Es zeigt, dass die Menschen auch im Feld der Gesundheitspolitik urteilsfähig und gestaltungswillig sind. Für uns ist dies der Beginn eines demokratischen Aufbruchs im Gesundheitswesen.”

Menschen im Mittelpunkt – nicht ökonomische Interessen

Im Einzelnen plädieren Bürger*innen für einen deutlich höheren Stellenwert von Prävention und Gesundheitsförderung - im Gesundheitssystem und in allen Lebenswelten und -phasen und machen hierzu zahlreiche Vorschläge, angefangen von einem Schulfach Gesundheit über betriebliche Gesundheitsförderung bis hin zu kommunalen Angebotsstrukturen und Formaten für Rentner*innen.

In der ambulanten wie in der stationären Versorgung steht für die Bürgergutachter*innen eine patientenzentrierte, bedürfnisgerechte und individuelle Behandlung im Mittelpunkt, die das Lebensumfeld der Patient*innen aktiv in die Behandlung einbezieht. Dies setzt eine Aufwertung des Arzt-Patient*innengesprächs ebenso voraus wie eine Bandbreite verschiedener Therapieoptionen, zum Beispiel eine Inklusion von ergänzenden natürlichen Heilverfahren.

Strukturell liegt der Fokus auf einer besseren Vernetzung der Mediziner*innen, einer guten Erreichbarkeit und einer ausreichenden (Haus-)Ärzt*innendichte auch auf dem Land mit kürzeren Wartezeiten. Der Abbau regionaler und sozialräumlicher Unterschiede ist aus Sicht der Bürger*innen auch eine Frage der Gerechtigkeit ebenso wie eine bezahlbare, gemeinsame gesetzliche Krankenversicherung für alle (Bürgerversicherung), in der eine hohe Qualität der Versorgung für alle gleichermaßen sichergestellt ist.

Das Gesundheitssystem soll demnach vom Menschen aus gedacht werden – sei es aus Sicht der Patient*innen oder der Angehörigen der Gesundheitsberufe. Eine bessere Bezahlung, bessere Arbeitsbedingungen und Familienfreundlichkeit weisen aus Sicht der Bürger*innen den Weg aus der Krise der Versorgung. Dazu sollte der finanzielle Druck und die Gewinnorientierung im Gesundheitssystem abgebaut werden. Erforderlich dafür sei eine größere Transparenz der Versorgungsstrukturen und eine unabhängigere Finanzierung.

Integrative Medizin – Individueller Zuschnitt statt Behandlungen von der Stange

Ein Schwerpunkt der Beratungen lag zudem im Feld der Integrativen Medizin, deren verschiedene Therapieverfahren immer wieder auch öffentlich diskutiert werden. In ihrem Wunsch nach möglichst individuellen, ganzheitlichen Therapiekonzepten beziehen die Bürger*innen Angebote der Integrativen Medizin, also das sinnvolle Miteinander konventioneller und naturmedizinischer Behandlungsverfahren, selbstverständlich ein. Dabei legen sie Wert auf vielfältige und fundierte Informationsquellen und plädieren für eine Verbesserung der Studienlage von integrativmedizinischen Behandlungen, die schnell für die Praxis nutzbar gemacht werden sollten. Vor dem Hintergrund, dass der Großteil derzeit existierender Studien von der Pharmaindustrie beauftragt und finanziert wird, empfehlen die Bürger*innen, dass eine Studie künftig von verschiedenen Gruppen in Auftrag gegeben und die staatliche Förderung erhöht werden sollte. Auch bei der Erarbeitung von Leitlinien sollte aus Sicht der Bürger*innen ein breiteres Spektrum von Expert*innen, aber auch Patient*innen einbezogen werden.

Die Wirksamkeitsprüfung als eine zentrale Grundlage für eine Kostenübernahme komplementärer Verfahren durch die gesetzlichen Krankenkassen solle erhalten und um ein individuelles Budget für zusätzliche Leistungen ergänzt werden, über das die Patient*innen in Absprache mit ihren Ärzt*innen verfügen können.

Künftig Beteiligung auf allen Ebenen

Bürger*innen und Patient*innen möchten künftig auf allen Ebenen an der Gesundheitsversorgung beteiligt werden: angefangen vom ausführlichen Arzt-Patient*innengespräch über die Einbeziehung von Patient*innen in die Erarbeitung von Leitlinien bis hin zu einem Stimmrecht im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Voraussetzung für Mitbestimmung und Beteiligung sind differenzierte Informationen und eine strukturelle Verankerung.  Bürger*innen fordern deshalb, die allgemeine Gesundheitskompetenz für eine eigenverantwortliche Lebensgestaltung zu stärken, Qualifizierungsangebote flächendeckend auszubauen sowie den Gemeinsamen Bundesausschuss zu reformieren.

Die vielfältigen Vorschläge gilt es nun, in politische Initiativen zu übersetzen und umzusetzen. “Wir als Teilnehmer*innen wünschen uns, dass das Bürgergutachten Raum findet und verantwortlich damit umgegangen wird,” sagt Maria Jagesberger, Bürgergutachterin aus Bremen. Und Dr. Dorothee Schimpf, Geschäftsführerin von NATUR UND MEDIZIN pflichtet ihr bei: “Die Politiker*innen und Politiker sollten die Stimmen der Bürger*innen hören und ernst nehmen. Das wäre ein wichtiges Signal für die dringend benötigte Weiterentwicklung des Gesundheitswesens und die politische Kultur in Deutschland.”

Das vollständige Bürgergutachten steht zum Download bereit auf

www.gesundheit-aktiv.de/buergergutachten oder
www.naturundmedizin.de/buergergutachten-gesundheit

Pressekontakt

Dr. Sandra Giannakoulis-Markus
GESUNDHEIT AKTIV e. V.
presse@gesundheit-aktiv.LÖSCHEN.de
Telefon: 030.695 68 72-0

Die Genese des Bürgergutachtens Gesundheit

Bürgergutachten Gesundheit: Franz Müntefering

Ziel: Bürger*innen verändern und gestalten das Gesundheitssystem

  • Wie muss sich unser Gesundheitssystem verändern?
  • Welche Medizin wollen Patient*innen?
  • Gemeinsam erarbeiten wir ein Gutachten zur Verbesserung unseres Gesundheitssystems
Jetzt entsteht das Bürgergutachten Gesundheit

Wie verändern wir das Gesundheitssystem?

Bundesweit werden an bis zu vier Standorten sogenannte Planungszellen von jeweils drei Tagen Dauer mit insgesamt 200 zufällig ausgewählten Bürger*innen stattfinden. Sie repräsentieren ein breites Spektrum der Bevölkerung: Frauen, Männer, Alte, Junge, Menschen mit Migrationshintergrund, Akademiker*innen und Nicht-Akademiker*innen.

Das Losverfahren ist eines der ältesten Prinzipien in der Demokratie und wurde schon im antiken Athen angewendet – die dahinterstehende Idee ist einfach: Die Versammlung soll in ihrer Zufallsauswahl ein Abbild der Gesellschaft sein, anders als unsere heutigen Parlamente, die zwar demokratisch gewählt werden, aber kaum einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung darstellen.

Vorkenntnisse zu gesundheitspolitischen Themen oder ein bestimmter Bildungsgrad sind ausdrücklich nicht erforderlich. Im Gegenteil, die Teilnehmer*innen lernen während der Treffen von Expert*innen und im gegenseitigen Austausch – darin liegt das Schöne und Besondere dieses Prozesses. In der Regel wird jede thematische Einheit von kurzen Expert*innenreferaten in allgemein verständlicher Sprache eingeleitet.

Im Anschluss an die Referate beraten die Bürger*innen in wechselnden Kleingruppen auf der Basis zielgerichteter Impulsfragen. Die Ergebnisse und Empfehlungen der Planungszellen werden jeweils sorgfältig dokumentiert, verdichtet, ausgewertet und in einem Bürgergutachten zusammengeführt, das dann an die Politik übergeben wird.

Der ganze Prozess wird vom unabhängigen nexus-Institut durchgeführt, damit garantiert ist, dass das Gutachten neutral und ergebnisoffen zustande kommt und die Auftraggeber, wir von GESUNDHEIT AKTIV e. V. und Natur und Medizin e. V., keinerlei Einfluss auf den Ausgang nehmen können.

Ausgangspunkt für die Themen sind Fragen, die uns alle aktuell bewegen: Wie kompetent erleben wir uns in Bezug auf gesundheitliche Fragen?

Fühlen wir uns vom derzeitigen System unterstützt oder gehemmt, wenn wir uns um eine gute Lebensqualität bemühen? Welche Leistungen brauchen wir, um unsere individuelle Gesundheit zu fördern oder eine chronische Krankheit besser zu bewältigen?

In diesem Zusammenhang wird es auch um den Stellenwert naturmedizinischer und konventioneller Behandlungsformen gehen, eingebettet in einen übergreifenden Zusammenhang:

  • Wie erleben Menschen den Besuch bei ihre*r Hausärzt*in?
  • Wie fühlen sie sich bei einem stationären Aufenthalt in einem Krankenhaus?
  • Wie zufrieden sind sie mit den medizinischen und pflegerischen Leistungen?
  • Was bedeutet das für die Finanzierung bzw. Erstattung der verschiedenen Leistungen?

Das Bürgergutachten wird helfen, die Prioritäten gesundheitspolitischer Entscheidungen in den nächsten Jahren klarer zu setzen und unser Gesundheitssystem neu zu denken: aus Sicht der Bürger*innen und Patient*innen. Also endlich aus der Sicht derer, die es betrifft!

Denn: Im Gesundheitswesen können Bürger*innen weder direkt noch indirekt mitentscheiden. Die Patientenvertreter*innen im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) dürfen zwar Vorschläge einbringen, sind aber nicht stimmberechtigt.

Seit Jahrzehnten haben wir uns daran gewöhnt, dass Ärzteverbände, Krankenkassen und Krankenhäuser über unser gesundheitliches Wohl und Wehe entscheiden und die Politik den Rahmen dazu setzt. Dies alles irritiert umso mehr, als die Bürger*innen als Versicherte durchschnittlich zwischen 4.000 und 5.500 Euro jährlich für ihre gesetzliche Krankenversicherung aufbringen und dafür durchaus erwarten können, dass sie Leistungen bekommen, die sie sich wünschen.

Mit dem Bürgergutachten treten GESUNDHEIT AKTIV e. V. und Natur und Medizin e. V. in eine neue Ära des politischen Mitgestaltens ein – noch nie konnten wir so direkt unseren Wunsch umsetzen, Patient*innen als Akteure in das Gesundheitswesen einzubinden. Immer schon erschien es ungerecht und fragwürdig, dass diejenigen, die es am Ende betrifft, mit ihren Bedürfnissen und Sorgen nicht gehört werden.

Denn: Das Gesundheitssystem sind wir alle! Es besteht nicht nur aus den verschiedenen Beteiligten und darin Beschäftigten, sondern vor allem aus denen, die darin die Hauptpersonen sind: die Patient*innen.

Jetzt geht es darum auszuhandeln, wie die Beteiligung der Bürger*innen konkret aussehen soll. Deshalb ist die Zeit reif für das Bürgergutachten!

Wir wollen seriöse, fundierte Empfehlungen aus Bürger*innensicht an die Politik geben. Wir wollen zeigen, dass wir nicht nur über Zustände klagen, sondern sie konstruktiv mit unseren Ideen verbessern wollen.

Die nächsten Schritte

✅ Information der Bevölkerung

✅ Bekanntmachung der einzelnen Städte, in denen die Planungszellen stattfinden (Dortmund, Cottbus, Mannheim und Bremen) 

✅ Veranstaltung mit führenden Gesundheitspolitikern aller Fraktionen am 23.09.2021. mehr Infos 

✅ Veröffentlichung der ersten Ergebnisse

✅ Übergabe des finalen Bürgergutachtens Gesundheit in Berlin. (Download des Bürgergutachtens)

Bürgergutachten Gesundheit: Lobbyismus für alle!

Öffentliche Diskussionsrunde am 23.09.2021

Nur drei Tage vor der Bundestagswahl findet diese öffentliche Diskussionsrunde zu den aktuellen Themen Gesundheitspolitik und Bürgerbeteiligung statt.

Dabei stellen Bürger*innen aus dem ersten Bürgergutachten Gesundheit, das von Mitte bis Ende September erarbeitet wird, ihre drängendsten Fragen an:

  • Dr. Georg Kippels, CDU
  • Sabine Dittmar, SPD
  • Prof. Dr. Andrew Ullmann, FDP
  • Maria Klein-Schmeink, Bündnis 90/Die Grünen
  • Dr. Achim Kessler, Die Linke
  • Dr. Robby Schlund, AfD

Moderation: Prof. Dr. Christiane Dienel, nexus Institut
Diskutieren Sie mit! Alle Interessierten können diese Diskussionsrunde live mitverfolgen und sich über den Chat einbringen.

Der Link zur Live-Übertragung via YouTube:

Politikpodium Live auf Youtube

Werden Sie aktiv

Bürgergutachten Gesundheit

und unterstützen Sie das Bürgergutachten!

1. Folgen Sie uns auf Instagram @BuergergutachtenGesundheit
2. Sprechen Sie über das Gutachten, auch auf Social Media unter #BuergergutachtenGesundheit
3. Werden Sie Mitglied von Natur und Medizin e.V.

Mitglied werden!

Natur und Medizin e.V.
Redaktion Natur und Medizin e.V.

Sie interessieren sich für Veranstaltungen oder Vorträge aus dem Bereich Naturheilkunde und Gesundheit?

Als Redaktion von Natur und Medizin stehen wir Ihnen mit Tipps und Informationen zur Seite.