Die Wirkung eines guten, alten Hausmittels ist in letzter Zeit durch wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt worden: Ein Löffel Honig (am besten Bio-Honig) wirkt ebenso gut gegen Husten wie chemische Hustenstiller.
Eine weitere wichtige Maßnahme bei Husten, besonders bei kleinen Kindern, kann die Verabreichung von Nasentropfen oder -spray sein. Besonders im Liegen läuft der Schleim in der Nase nach hinten und verursacht einen lästigen Kitzelreiz: Hier kann die Anwendung von Meersalz oder Emser® Sole als Nasentropfen oder Nasenspray – mehrmals täglich angewendet – sehr hilfreich sein.
Die homöopathische Arzneimittellehre enthält zahlreiche, bekannte Hustenmittel, darunter Pulsatilla, Phosphorus, Drosera, Rumex, Sticta, Hyoscyamus und viele andere (vgl. Homöopathische Sandkastenfibel, KVC Verlag). Die Auswahl aus der Hausapotheke ist aber oft nicht so einfach und erfordert eine gute Beobachtung der spezifischen Hustensymptome, insbesondere der Modalitäten: Wann verschlimmert bzw. wodurch bessert sich der Husten? Erst bei drei bis vier klaren, eindeutigen Symptomen findet man eine passende Arznei. Das geht auch den homöopathischen Ärztinnen und Ärzten in der Praxis nicht anders: Wenn sich kein eindeutiges Bild herauskristallisiert, ist ein eher unspezifischer Husten ohne Besonderheiten dann besser mit Allgemeinmaßnahmen behandelt.
Hustensäfte werden zwar gerne gekauft, in den aktuellen, medizinischen Leitlinien aber nicht empfohlen. Laut aktueller DEGAM-Leitlinie Nr. 11 (Akuter und chronischer Husten) gibt es für diese Präparate keine Evidenz – abgesehen von pflanzlichen Präparaten z.B. mit Efeu oder Thymian; „der Umfang der klinischen Effekte ist jedoch begrenzt“ und „ggf. eine Option bei starkem patientenseitigem Therapiewunsch“, so die Leitlinie.
Wie ist das Allgemeinbefinden des Kindes?
Ob das hustende Kind in der Arztpraxis vorgestellt werden muss, richtet sich auch nach dem Allgemeinbefinden des Kindes und natürlich der eigenen Erfahrung der Eltern: Wenden Sie sich an Ihren Kinderarzt oder Hausarzt, wenn Sie sich nicht sicher sind und die Akutsituation nicht gut einschätzen können. Bei anhaltendem Husten sollte eine Lungenentzündung ausgeschlossen werden.
Einige besondere Hustenformen
Wenn der Husten relativ plötzlich eingesetzt hat, sollte man besonders bei Kleinkindern auch an die Möglichkeit einer Fremdkörperaspiration denken: Hierbei gelangt ein kleines Teilchen „in die falsche Röhre“, also in die Luft- statt in die Speiseröhre. Klassische Objekte sind kleine Münzen, Murmeln, Legosteine, Nüsse und dergleichen. Je nach Größe des Fremdkörpers kann die Beeinträchtigung zu starker Atemnot, aber eventuell anfangs auch nur geringen Beschwerden führen. Im Zweifelsfall muss eine Klinik aufgesucht werden, um den Fremdkörper zu bergen.
Unter Pseudokrupp versteht man eine bestimmte Art von Husten, der ebenfalls plötzlich auftritt und folgende drei Charakteristika hat:
- Bellender Husten (= tiefer, hohler Husten)
- Heiserkeit
- Inspiratorischen Stridor (= lautes Ziehen nur beim Einatmen, aber nicht beim Ausatmen)
Der Pseudokrupp, auch „viraler Krupp“ genannt, tritt typischerweise im Alter von sechs Monaten bis drei Jahren auf und wird von verschiedenen Viren ausgelöst. Die Beschwerden beginnen plötzlich, oft mitten in der Nacht: Das Kind schreckt vom lauten, bellenden Husten auf und wirkt sehr verängstigt; je mehr es sich aufregt, desto heftiger wird auch das ziehende Geräusch beim Einatmen. Das Kind ist – abgesehen vom Husten – in seinem Allgemeinzustand nicht wesentlich beeinträchtigt.
Am wichtigsten ist: Selbst Ruhe bewahren und das Kind beruhigen!
Kühle Luft hilft meist rasch, man kann z.B. am geöffneten Fenster stehen. Bei Pseudokrupp haben sich folgende homöopathischen Arzneien sehr bewährt: Aconitum D30 oder C30, einmal drei Globuli ganz zu Beginn, im Verlauf Spongia D12 oder D30, zwei- bis dreimal drei Globuli täglich. Die konventionelle Therapie sieht die Verabreichung eines Kortisonzäpfchens vor (Rectodelt®), in schwereren Fällen die Inhalation von Suprarenin (Notarzt, Krankenhaus).
Beim Keuchhusten (Pertussis) handelt es sich um eine altbekannte Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Bordetella pertussis, gelegentlich auch Bordetella parapertussis, verursacht wird. Ein Impfstoff gegen Keuchhusten ist Bestandteil der Standardimpfungen im Säuglingsalter und später auch bei den Auffrischungsimpfungen, so dass die Erkrankung bei einer hohen Durchimpfungsrate theoretisch verschwinden müsste. Dies ist – aus verschiedenen Gründen – leider bislang nicht der Fall: Da es seit 2013 eine bundesweite Meldepflicht gibt, sind die Erkrankungszahlen recht gut bekannt. So wurden 2024 über 25.000 Fälle in Deutschland gezählt!
Der Keuchhusten wird durch eine Tröpfcheninfektion übertragen. Bei üblichen Kontakten im gemeinsamen Haushalt besteht eine bis zu 90prozentige Chance, sich bei einem erkrankten Familienmitglied anzustecken. Hierbei wird auch klar, wo die Gefahren des Keuchhustens liegen: Wenn Erwachsene husten und gar nicht wissen, dass es sich um Keuchhusten handelt, können Neugeborene und kleine Säuglinge im selben Haushalt – oder beim Besuch der Großeltern – angesteckt werden. Gefährlich ist der Keuchhusten nämlich vor allem für die ganz Kleinen.
Nach einer Inkubationszeit von sieben bis zehn Tagen (maximal drei Wochen) kommt es zu ersten Krankheitszeichen. Der Verlauf des Keuchhustens wird in drei Stadien gegliedert, die sich typischerweise über einen Gesamtzeitraum von sechs bis zwölf Wochen erstrecken:
- Im Stadium catarrhale (Dauer ein bis zwei Wochen) kommt es zu ersten Beschwerden der Atemwege mit Husten, Schnupfen, gelegentlich auch Fieber.
- Stadium convulsivum (Dauer vier bis sechs Wochen): Hier kommt es zu den charakteristischen Hustenattacken. Es handelt es sich um harte, anhaltende, direkt aufeinander folgende Hustenstöße, den so genannten „Stakkato-Husten“, und in vielen Fällen kommt es zu starkem Würgen oder Erbrechen beim Husten. Von den Hustenattacken besonders gequält werden die Patienten oft nachts im Schlaf. Bei kleinen Säuglingen fürchtet man vor allem die Atemaussetzer (Apnoen).
- Stadium decrementi: Die Beschwerden klingen allmählich ab. Nicht selten bleibt aber ein so genannter „Erinnerungshusten" zurück, der sogar Monate lang weiter bestehen kann.
ISBN: 978-3-96562-025-4
Erscheinungsjahr: 2020
12,00
EUR
Zum Shop
»
Das größte Problem beim Keuchhusten ist aber: Die Symptome sind – bedingt auch durch die Impfung – häufig abgeschwächt und gar nicht so spektakulär wie oben geschildert. Als praktische Faustregel gilt: Ein trockener Husten, der länger als zwei Wochen anhält, sollte an Pertussis denken lassen. Der Keuchhusten kann dann relativ einfach mittels Nasen-/Rachenabstrich festgestellt werden. Bei schon länger bestehenden Symptomen können auch Antikörper im Blut untersucht werden.
Für die konventionelle Behandlung des Keuchhustens gelten die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI): Die Behandlung mittels Antibiotikum kann – bei frühzeitigem Beginn – die Hustensymptome abkürzen und vor allem die Ansteckungsgefahr unterbinden. Unbehandelt gilt der Keuchhusten mindestens für drei Wochen als ansteckend. Bei Säuglingen kann eine stationäre Überwachung in einer Kinderklinik sinnvoll sein, um mittels Monitoring Sauerstoffmangel und Atemaussetzer zu erkennen.
Die naturheilkundlichen Behandlungsmöglichkeiten entsprechen den eingangs geschilderten Maßnahmen zur Hustenbehandlung. Die homöopathische Behandlung des Keuchhustens hat eine sehr lange Tradition: Den ersten, bedeutenden Ratgeber zu diesem Thema schrieb der Homöopath Clemens von Bönninghausen (1785 – 1864) im Jahre 1860. Homöopathische Arzneien können – auch in Ergänzung zur antibiotischen Therapie – auch heute noch durch aus sinnvoll sein, denn nur hiermit lassen sich die unangenehmen, oft langwierigen Hustenattacken beeinflussen.