Naturheilkunde
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Strophanthus – das vergessene Herzmedikament

Strophanthus – das vergessene Herzmedikament

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Phytotherapie Integrative Medizin

Strophanthus – einst ein bewährtes Mittel bei Herzbeschwerden – ist heute fast in Vergessenheit geraten. Die exotische Heilpflanze wurde über Jahrzehnte erfolgreich bei Herzschwäche und Angina pectoris eingesetzt, geriet jedoch durch wissenschaftliche Kontroversen in den Hintergrund. Dabei bietet sie – richtig angewendet – auch heute noch großes therapeutisches Potenzial. Erfahren Sie mehr zur Herkunft, Wirkung und Anwendung dieses besonderen Naturheilmittels.

Strophanthus ist eine exotische Pflanze aus der Familie der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae). In den 1950er-Jahren war sie ein beliebtes Naturheilmittel, geriet jedoch in Vergessenheit – zu Unrecht. Obwohl ihre Samen in Afrika traditionell als Pfeilgift genutzt wurden und die Präparate daher vom Markt verschwanden, besitzt Strophanthus starke heilende Eigenschaften. In angemessener Dosierung kann sie zur unterstützenden Behandlung von Herzinsuffizienz, koronarer Herzkrankheit und Angina pectoris eingesetzt werden und möglicherweise sogar zur Vorbeugung von Herzinfarkten beitragen. Darüber hinaus weisen Studien auf potenziell positive Wirkungen bei Schlaganfall, Demenz sowie Schädel-Hirn-Traumata hin.

Wichtig ist, zunächst die Botanik dieser Heilpflanze zu verstehen.

Der Name Strophanthus stammt aus dem Griechischen und bedeutet „gedrehte Blüte“ (strophos = Faden, anthos = Blüte) – ein Hinweis auf ihre außergewöhnliche Form. Von Oktober bis Dezember erscheinen die weißen Blüten an den Astspitzen der Sträucher oder Lianen und entwickeln sich zu länglichen Schoten mit federartigen Fortsätzen. Beim Aufplatzen werden die Samen vom Wind verbreitet. Die meisten der rund 50 Arten sind in Afrika, einige auch in Asien beheimatet.

Die Wirkung des Strophanthins auf das Herz wurde im Jahre 1859 durch Zufall während einer Afrika-Expedition des Forschungsreisenden David Livingstone entdeckt. Nachdem die Zahnbürste des schottischen Botanikers und Mitreisenden Dr. John Kirk aus Versehen mit einer kleinen Menge des Strophanthus-Samens in Berührung gekommen war, besserten sich dessen Herzbeschwerden plötzlich nach dem Zähneputzen. David Livingstone brachte diese Erkenntnis mit nach England und dort wurde dann Ende des 19. Jahrhunderts erstmals die Wirkung des Strophanthins wissenschaftlich untersucht.

Als sogenannte „Tinctura strophanthii“ wurde die Heilpflanze daraufhin als Medikament bei Patienten mit Herzinsuffizienz eingesetzt. Im Jahre 1905 konnte der deutsche Arzt Albert Fraenkel die gute Wirkung intravenöser Gaben von Strophanthin bei Herzinsuffizienz belegen – eine Therapie, die bis in die 50er Jahre sehr verbreitet war. Im Laufe der Jahre wurde diese Behandlung sehr populär und nahm immer mehr an Gebrauch zu.

Strophanthus – das vergessene Herzmedikament

Was ist passiert?

Von 1970 bis 2000 gab es mehr als zwei Dutzend Strophanthin-Präparate, doch nach und nach gerieten der Extrakt und vor allem die orale Verabreichung in Verruf. Es war ein Wissenschaftsstreit entbrannt, der die Wirksamkeit und die Bioverfügbarkeit von Strophanthin in Frage stellte und zu großer Verunsicherung innerhalb der Ärzteschaft führte. Viele Ärzte verschrieben das Strophanthin nicht mehr und setzten auf eine reine schulmedizinische Therapie von Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, koronare Herzerkrankung etc. Im Mittelpunkt der Therapie dieser Erkrankungen standen nun Medikamente wie Digitalis, Blutdruck- und Cholesterinsenker.

NATUR UND MEDIZIN sagt: Aufpassen!

2011 ist das letzte Strophanthin-Medikament in Form eines Fertigarzneimittels vom Markt genommen worden.

Heute werden die Extrakte aus den Samen überwiegend homöopathisch-anthroposophisch eingesetzt oder als rezeptpflichtige Urtinktur verordnet. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass der Einsatz dieser Heilpflanze nicht im Alleingang erfolgen sollte, sondern eine ärztliche Begleitung erfordert.

Strophanthus

NATUR UND MEDIZIN sagt: Aufpassen!

Strophanthus ist ein pflanzliches Herzmittel mit langer Tradition, dessen therapeutisches Potenzial bei Herzschwäche und Durchblutungsstörungen heute neu entdeckt wird.

Zu medizinischen Zwecken kommen vor allem zwei Strophanthus-Arten zum Einsatz. Zum einen Strophanthus gratus – das sog. g-Strophanthin (auch Ouabain genannt) sowie die k-Form, die mehrheitlich aus Strophanthus kombé gewonnen wird. Bei Herzinsuffizienz und Bluthochdruck wird vor allem die k-Form eingesetzt und die g-Form eher bei Angina pectoris oder Zustand nach Herzinfarkt. Wissenschaftlich gesichert ist, dass die Pflanze das sog. Herzglykosid Strophanthin enthält und somit pharmakologisch ähnlich wirkt wie Convallaria (Maiglöckchen), Scilla (Blaustern) oder eben auch Digitalis. Dabei wirkt Digitalis stärker kumulativ im Organismus. Bei allen Herzglykosiden ist die Einnahme jedoch ärztlich zu begleiten und auch zu überwachen, denn es gibt durchaus Wechselwirkungen mit schulmedizinischen Medikamenten und alle Herzglykoside können bei falscher Anwendung leicht überdosiert werden.

Wir wirkt Strophanthin?

Die Wirkung von Strophanthin auf den Herzmuskel ist sehr breit. Zum einen fördert sie die Kontraktionsfähigkeit des Herzens und ökonomisiert damit die sog. Herzarbeit. Die Herzfrequenz wirkt leicht gesenkt und auch die Widerstandsfähigkeit des Herzens gegenüber Sauerstoffmangel wird erhöht. Damit hat Strophanthin eine gewisse Herzschutz-Funktion. Weiter wird der Blutdruck moderat gesenkt und Betroffene berichten über eine deutliche Verbesserung ihrer Luftnot bei Belastung. Es gilt bis heute als mildes Tonikum, dessen Wirkung gerade von älteren bis zu hochbetagten Menschen sehr geschätzt wird. Viele Ärztinnen und Ärzte verfügen jedoch nur über begrenzte Erfahrung mit Strophanthin, weshalb es in der Praxis selten verordnet wird. Hier gilt es, sich möglichst an einen naturheilkundlich erfahrenen Arzt bzw. eine Ärztin zu wenden.

Auch mögliche bestehende Herzängste, Unruhe und Panikzustände, die häufig begleitend bei Herzerkrankung auftreten, werden durch die Einnahme von Strophanthin deutlich verbessert. Viele Betroffene berichten unter der Therapie mit Strophanthin insgesamt über eine bessere Belastbarkeit. Weiter wird die Abnahme von Erschöpfung und psycho-vegetativen Beschwerden beschrieben und Viele erfahren durch eine Herzkur mit Strophanthin wieder schlicht mehr Lebensfreude, die zahlreichen älteren Menschen mit Herzkrankungen doch leicht abhanden kommen kann.

Die Kombination mit schulmedizinischen Medikamenten ist möglich, aber auch hier gilt, dass eine Eigenbehandlung vermieden werden sollte. Höhere Dosierungen – wie etwa eine pyhtotherapeutische Tinktur oder Kapseln – sind verschreibungspflichtig und werden nur von manchen Apotheken hergestellt (z. B. Apowelis, sog. Tinctura strophanthi, Apotheke an der Weleda, Schwäbisch Gmünd).

In homöopathischer Dosierung und als Komplexmittel ist Strophanthin ohne Rezept erhältlich, z.B. Aurum/Strophanthus Globuli (WALA) oder als Komplexmittel von Heel oder Hevert. Klassisch homöopathisch ist von der DHU Strophanthus D6 als Globuli erhältlich. Auch Ampullen wie Strophanthus Komb. E Semen in der D4 können verabreicht werden, subkutan oder intravenös (WALA). Hier empfiehlt sich jedoch eine engmaschige ärztliche Überwachung, gerade, wenn gleichzeitig noch schulmedizinische Mittel eingenommen werden.

Insgesamt können die homöopathisch-anthroposophischen Zubereitungen langsam eingeschlichen werden. Sie sind jedoch – im Vergleich zu anderen komplexhomöopathischen Rezepturen – etwas schwieriger zu dosieren bzw. es braucht von Seiten des Behandlers eine breite Erfahrung mit dem Heilmittel. Richtig angewendet ist es jedoch ein wunderbares Herzmittel, das viele gesundheitliche Wirkungen hat und herzgeschwächten sowie älteren Menschen zu neuer Lebens- und Vitalkraft verhilft.

Hinweis: Der Artikel „Strophanthus – das vergessene Herzmedikament“ von Dr. Isabel Bloss ist ursprünglich in unserer Mitgliederzeitschrift (01/2026) erschienen.

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Dr. med. Isabel Bloss
Dr. med. Isabel Bloss

Isabel Bloss ist Ärztin für Allgemeinmedizin, Naturheilmedizin, anthroposophische Medizin sowie TCM. Sie ist seit 2011 in eigener Praxis niedergelassen, seit 2021 mit dem Schwerpunkt Online-Beratung. Hier berät sie bundesweit Erwachsene, Kinder und Jugendliche. Außerdem arbeitet sie seit ihrem Studium als freiberufliche Medizinjournalistin und Fachautorin. Weitere Informationen unter: www.praxis-dr-bloss.de