Naturheilkunde
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Angst in Kriegs- und Krisenzeiten
Von schweren Bettdecken, der Küchenschelle und dem Verlangen nach Nachrichten

Angst in Kriegs- und Krisenzeiten

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Integrative Medizin Homöopathie Angst

In der ersten Woche der Kriegshandlungen in der Ukraine erreichte mich die Mail eines jüngeren Mitglieds von Natur und Medizin, die ich – natürlich mit dem Einverständnis der Schreiberin – hier auszugsweise wiedergebe:

„Aus aktuellem Anlass habe ich heute Nacht überlegt, ob Natur und Medizin in der nächsten Mitgliederzeitschrift nicht einen Beitrag über die naturheilkundliche Behandlung von Angst bzw. Panikzuständen bringen kann? Was mache ich, wenn mich die Angst auch über Tag nicht loslässt, verbunden gar mit Konzentrationsstörungen etc?

Ich denke, viele Mitglieder haben aufgrund der aktuellen Kriegsgeschehnisse schreckliche Angst – gerade die ältere Generation hat eventuell Traumata, die wieder hochkommen. Ich selbst habe auch wirklich Angst – teilweise mit Herzklopfen und Panik… wenn ich die Nachrichten lese. Da war mir Corona lieber. Da konnte man Händewaschen, Maske tragen und Impfen lassen… Nun ist man machtlos. Was meinen Sie dazu? Wie gehen Sie mit den Nachrichten um?“

Passiflora oder: Ich muss da jetzt durch

Die erste, spontane Empfehlung, die mir in den Sinn kam, war Passiflora incarnata. Wie es ja schon in ihrem deutschen Namen Passionsblume zum Ausdruck kommt, ist Passiflora bewährt bei Leidens-Zuständen, denen man sich nicht entziehen kann, sei es im Rahmen häuslicher Krankenpflege, Corona oder geopolitischen Umständen. „Ich muss da jetzt durch“ beschreibt gut den Indikationsbereich von Passiflora. Ob als homöopathisches Einzelmittel in tiefen Potenzen (D 4/6, 3 x tgl. 5) oder phytotherapeutisch als Tinktur oder in Kombinations-Arzneimitteln, Passiflora wird gleichermaßen heilsam sein.

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Gehen Sie spazieren!

Die zweite Empfehlung speist sich aus einer Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung zusammen mit dem Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf: gehen Sie spazieren. Nach dieser Studie werden schon bei kurzem Aufenthalt an der frischen Luft Hirnareale aktiver, die Planung, Anpassung und Kontrolle von Handlungen steuern. So kann man aus dem Gedankenkarussell aussteigen. Unterstützend wirkt an dieser Stelle nach meiner Erfahrung die Kombination von Kampfer und Weißdorn (Korodin Tropfen) in der etwas ungewöhnlichen Dosierung von 2-3 Tropfen alle 10-15 Minuten, bis die Gedanken wieder klar sind.

Die schwere Bettdecke

Bei nächtlichen Angst- und Panikattacken kann eine sogenannte Gewichtsdecke hilfreich sein. Es gibt mittlerweile Hinweise aus wissenschaftlichen Untersuchungen, dass eine sehr schwere Bettdecke bei angstbedingten (Ein-)Schlaf-Störungen positiv wirkt. Die Decke sollte in der Regel nicht mehr als 10 % ihres Körpergewichts wiegen. Lassen Sie sich im Fachhandel beraten. Bei Atemwegs- und/oder Herzproblemen muss vorher ein Arzt befragt werden.

Über das Aufbrechen alter Wunden und den Nachrichtenkonsum

Mit dem Stichwort „Rituale“ kommen wir in den Bereich der Lebensordnung. Die ständig verfügbare Nachrichtenflut mit Brennpunkt hier und Nachrichten-Extra da führt zwangsläufig zu einer Überforderung der Aufnahmefähigkeit und macht krank. Steter Tropfen höhlt den Stein. Informieren Sie sich also nur zu festen Zeiten und planen Sie danach jeweils Zeit ein, die Nachrichten „angemessen“ zu verarbeiten, sei es, wie oben beschrieben, mit einem Spaziergang, passender Musik oder einer kreativen Tätigkeit.

Und wenn das Verlangen nach Nachrichten zu groß wird, kann das homöopathische Arzneimittel Causticum angezeigt sein (D 6, 3 x tgl. 1 Tbl.). Das Aufbrechen alter Wunden ist ein Leitsymptom von Causticum, und Sie kennen vielleicht den Zwang, den Schorf auf einer Wunde immer wieder abzuknibbeln, obwohl Sie genau wissen, dass es die Wundheilung verlängert. Daneben steht Causticum als Konstitutionsmittel für sehr ausgeprägtes Mitleid.

Dr. Michael Elies über die Rolle des Bewusstseins
und den für die Autosuggestion so bedeutenden Dreiklang

Zum Schluss: Die homöopathische Analyse (Repertorisation)

Letztlich führt die homöopathische Analyse der Symptome aus der eingangs vorgestellten Mail zu drei homöopathischen Arzneimitteln, die not-wendig sein können: Gelsemium, Kalium phosphoricum und Pulsatilla (jeweils D 6, 3 x tgl.).

Gelsemium: Schwäche nach Schock

Erwartungsspannung und zittrige Schwäche nach Schreck/Schock sind die Leitsymptome von Gelsemium sempervirens, dem gelben Jasmin. Nervöses Herzklopfen, auch unregelmäßiger Herzschlag, und das Gefühl, in Bewegung bleiben zu müssen, damit das Herz weiter schlägt, sind ebenso hinweisende Symptome wie vermehrtes Wasserlassen und Durchfall in Erregungssituationen.

Kalium phosphoricum: Das Nervensalz

Kalium phosphoricum, das Schüssler-Salz Nr. 5, wird als das Nervensalz bezeichnet. Bei diesem Mittel steht die lähmungsartige Schwäche im Vordergrund. Ein Leitsymptom ist Verstopfung bei Aufregung. Typisch ist eine Verschlimmerung in den frühen Morgenstunden gegen 5.00 Uhr. Wie bei den anderen Kalium-Verbindungen in der Homöopathie besteht ein Bezug zur Bauchspeicheldrüse (diabetische Stoffwechsellage). Bemerkenswert ist weiterhin, dass Berührung/Angefasst werden unangenehm ist.

Pulsatilla: Tränen und Trost

Pulsatilla, die Wiesenküchenschelle, gilt als das tränenreichste Mittel in der Homöopathie. Trost und Zuspruch tun gut, das Verlangen nach und die Besserung des Befindens durch Gesellschaft ist sehr ausgeprägt. Bemerkenswert ist ein Symptom aus der Arzneimittelprüfung: die Vorstellung, die Welt stehe in Flammen. Hier drückt sich ein wesentlicher Indikationsbereich von Pulsatilla aus: etwas geht zu Ende und ein neues Kapitel in der Lebensgeschichte wird aufgeschlagen. Altes zurücklassen, sich auf das hier und jetzt konzentrieren ist die Botschaft von Pulsatilla für Kriegs- und Krisenzeiten.

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Dr. Michael K. H. Elies
Dr. med. Michael K. H. Elies

ist seit vielen Jahren Mitglied des Vorstands und beratender Arzt von Natur und Medizin e.V. Er ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, Akupunktur und Homöopathie und war bis Ende 2019 in eigener Praxis niedergelassen.

Dr. Elies war von 1989 – 2019 Lehrbeauftragter für Geschichte und Entwicklung der Homöopathie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und langjähriger Dozent der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur, von der er 1989 den Dr. Bachmann-Preis erhielt. Dr. Elies ist seit 1991 Mitglied der Arzneimittelkommission D beim BfArM Bonn und Autor zahlreicher Fachbücher und Ratgeber.