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Kleine Warze, große Sorge? Was Eltern wissen sollten
Kindersprechstunde

Kleine Warze, große Sorge? Was Eltern wissen sollten

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Kinderheilkunde

Warzen gehören zu den häufigsten Hautveränderungen im Kindesalter – und sorgen bei Eltern oft für Verunsicherung. Muss jede Warze behandelt werden? Wann reicht geduldiges Abwarten, und welche Therapien sind wirklich sinnvoll? Von der klassischen Vereisung bis zu naturheilkundlichen Ansätzen: Ein Überblick über Ursachen, Ansteckungsrisiken und moderne Behandlungsmöglichkeiten bei vulgären Warzen und Dellwarzen.

Warzen entstehen durch eine Infektion mit bestimmten Viren, zumeist humanen Papillomaviren (HPV). Somit handelt es sich um Infektionskrankheiten, die von Mensch zu Mensch übertragen werden können. Sie können schon im Kleinkindesalter auftreten, finden sich aber am häufigsten bei Schulkindern. Man schätzt, dass bei etwa bei einem Drittel der Kinder bis 12 Jahre Warzen diagnostiziert werden. Am häufigsten findet man Warzen an den Füßen, aber auch an den Händen und anderen Körperregionen. Diese gewöhnlichen Warzen bezeichnet man auch als „vulgäre Warzen" (Verrucae vulgares).

Das Behandlungsrezept kann sein: Abwarten!

Der häufigste Vorstellungsgrund in der Praxis sind einzelne Warzen an der Fußsohle (Plantarwarze). Regelmäßig werden sie von den Eltern entdeckt, während die betroffenen Kinder gar keine Notiz davon nehmen und auch keine Beschwerden haben. In solchen Fällen kann eine gute Behandlungsmöglichkeit sein: Abwarten! Eine spontane Abheilung kann sich allerdings viele Monate hinziehen. Falls die Warze beim Laufen im Schuh drückt, kann eine Behandlung indiziert sein – man spricht dann auch von „Dornwarzen", weil der Schmerz an einen Dorn oder Fremdkörper im Schuh erinnert.

Hier gibt es grundsätzlich folgende Möglichkeiten der Lokalbehandlung:

Kleine Warze, große Sorge? Was Eltern wissen sollten
  1. Eine Tinktur auftragen, die die Verhornung der Warze aufweicht: Hier kann man beispielsweise auf ein Präparat mit Ameisensäure zurückgreifen (z.B. EndWarts® CLASSIC oder PEN) oder salicylsäurehaltige  Lösungen verwenden (z.B. Duofilm®). Wichtig: unbedingt die Anweisung im Beipackzettel befolgen, niemals im Gesicht anwenden und jeglichen Kontakt mit den Augen vermeiden.
  2. Vereisen (Kryotherapie): Dies wird in der Regel in der Hautarztpraxis durchgeführt, da dafür flüssiger Stickstoff verwendet wird und die Kälte genau dosiert werden muss. Inzwischen sind zwar auch Kälteverfahren für die Anwendung zuhause auf dem Markt, deren Wirksamkeit kommt aber vermutlich nicht an die professionelle Anwendung heran.
  3. Herausschneiden (Chirurgie, Lasern): Solche invasiven Behandlungsmethoden sollten im Kindesalter nur besonderen Situationen vorbehalten sein und von Fachleuten durchgeführt werden. Die Abheilung dauert länger, es kann zu Narbenbildung kommen, und Rezidive sind nicht selten. Wenn die Warzen entlang der Nägel (periunguale Warzen) auftreten – meist an den Fingern –, ist die Behandlung schwieriger, denn hier sind Haut und Nagelbett sehr empfindlich; eine chirurgische oder Kryotherapie kann bei Schädigung des Nagelbetts zu Nagelwachstumsstörungen führen.

Bitte nicht kratzen!

Grundsätzlich sollte man versuchen, die Kinder davon abzuhalten, selbst an den Warzen herumzukratzen oder etwa mit Hornhauthobeln zu schaben; denn sobald nur eine ganz leichte, oberflächliche Blutung entsteht, kann es zu einer Übertragung an andere Körperstellen kommen (sog. Autoinokulation). Ebenso wenig empfehlenswert sind Hornhautschwämme, die viele Familien am Badewannenrand liegen haben: Hier ist es sogar möglich, die Viren von einem zum nächsten Familienmitglied zu übertragen.

Kleine Warze, große Sorge? Was Eltern wissen sollten

Die besondere Warzenform: Dellwarzen

Eine besondere Form von Warzen sind die Dellwarzen: Wenn man die Warzen unter der Lupe anschaut, sieht man eine kleine, charakteristische Delle – daher der Name. Sie werden durch das Molluscum contagiosum-Virus hervorgerufen. Besonders Kleinkinder sind betroffen:

An ganz unterschiedlichen Körperstellen entstehen mehrere, teilweise rötlich-entzündet aussehende Molluskeln, z.B. am Brustkorb, in der Kniekehle oder im Gesicht. Ähnlich wie bei den vulgären Warzen kann auch hier zunächst abgewartet werden, wenn es nur einige wenige sind: auch die Dellwarzen können von selbst wieder verschwinden. Allerdings gelten sie als ansteckender innerhalb der Altersgruppe, also z.B. im Kindergarten. Daher wird meist eine Lokalbehandlung begonnen: Hier eignet sich das Betupfen mit Tinkturen, die Kaliumhydroxid (Kalilauge) enthalten (z. B. InfectoDell®). Dies führt zu einer absichtlich herbeigeführten Entzündungsreaktion mit anschließender Abheilung.

Als Alternative kommt eine mechanische Entfernung in Frage, eine so genannte Kürettage („scharfer Löffel"): Dabei werden die kleinen Dellwarzen oberflächlich abgetragen bzw. ausgequetscht. Auch hier sollte man sich in fachärztliche Hände begeben, denn ein zu tiefes Eindringen in die Haut kann zu Narben führen.

Gelegentlich berichten Mütter, sie hätten bei ihrem Kind zahlreiche Dellwarzen einfach mit den Fingernägeln ausgedrückt – aber auch das will geübt sein.

Gibt es eine besondere Neigung zu Warzen?

Einzelne Warzen, z. B. Plantarwarzen, kommen bei Kindern so häufig vor, dass nicht von einer bestimmten Anfälligkeit auszugehen ist. Allerdings sind einige Faktoren bekannt, die die Bildung von Warzen begünstigen können, z. B. Immunschwäche, Durchblutungsstörungen, Hauterkrankungen wie die atopische Dermatitis, aber auch winzige Verletzungen oder Fingernägelkauen.

Naturheilkunde bei Warzen

Es kursiert eine Vielzahl von naturheilkundlichen Präparaten bei Warzenbefall, die entweder zur äußerlichen Anwendung gedacht sind (darunter Teebaumöl, Thuja, Schöllkraut, Apfelessig, Knoblauch u.v.m.) oder aber zur Einnahme empfohlen werden. Studien zeigen, dass Propolis-, Echinacea- und Zinkpräparate bei Erwachsenen eine gewisse Wirksamkeit entfalten, vermutlich durch eine Stärkung oder Modulation des Immunsystems.

Für die äußerliche Anwendung gibt es Effekte mit Sandelholzöl (Erwachsene), Cantharidin und Hitzebehandlung (verschiedenste Techniken). Speziell für die Behandlung der Dellwarzen bei Kindern werden gute Effekte mit Teebaumöl (Melaleuca alternifolia) und Zitronenmyrte (Backhousia citriodora) beschrieben: Dies wären somit zusätzliche Therapieoptionen neben den o.g. Möglichkeiten. Interessanterweise zeigt eine ältere Studie, dass Hypnose die Warzenbehandlung unterstützen kann, jedoch reicht die Evidenz zu einer konkreten Empfehlung nicht aus.

In einer älteren Studie, in der Kinder zum Schein mit Röntgenstrahlen behandelt wurden (nur die Eltern wussten über die Harmlosigkeit Bescheid), zeigten sich gute Effekte – was die Bedeutung von Erwartung und Suggestion unterstreicht.

Was sagt die Homöopathie?

Aus dem Blickwinkel der Homöopathie betrachtet, findet man besonders bei ausgeprägtem Befall mit Warzen, z.B. im Gesicht oder an den Fingern, aber auch bei den Dellwarzen, häufig eine besondere Anfälligkeit im Sinne einer vorübergehenden Abwehrschwäche. Hier lohnt es sich, eine ausführlichere homöopathische Anamnese zu machen, um die zugrundeliegenden Faktoren mit zu berücksichtigen.

Häufig findet man in den homöopathischen Arzneimittelbildern dann Entsprechungen zum Krankheitsbild und kann die Abheilung der Warzen beschleunigen. Bei Dellwarzen sind beispielsweise homöopathische Mittel wie Phosphorus, Mercurius, Sulphur oder Silicea häufiger angezeigt. Im Internet oft empfohlene Mittel – z.B. Thuja occidentalis als „das" Hauptmittel bei Warzen – enttäuschen oft, wenn sie nicht individuell mit dem Gesamtbild des Kindes abgestimmt wurden.

Hinweis: Der Artikel „Kleine Warze, große Sorge? Was Eltern wissen sollten“ von Dr. Christian Lucae ist ursprünglich in unserer Mitgliederzeitschrift (03/2026) erschienen.

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Dr. med. Christian Lucae
Dr. med. Christian Lucae

Christian Lucae ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren mit Praxis in München. Er ist Mitautor der homöopathischen Sandkasten- und Schülerfibel sowie Autor des Ratgebers Fieberzäpfchen oder Wadenwickel? (erschienen im KVC Verlag) und beratender Arzt von Natur und Medizin e.V.