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Tipps zum Umgang mit digitalen Medien
Kindersprechstunde

Tipps zum Umgang mit digitalen Medien

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Kinderheilkunde

Experten warnen, dass exzessiver Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen Konzentration, Schlaf, Psyche und Gesundheit beeinträchtigen kann. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien, wie Schulprojekte und gesetzliche Regelungen zeigen. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Risiken eine übermäßige Screentime birgt, welche Empfehlungen Fachgesellschaften geben und wie sich Bildschirmzeiten im Alltag sinnvoll regulieren lassen.

Im vergangenen Jahr war eine bemerkenswerte Dokumentation im österreichischen Sender
ORF 1 zu sehen: „Drei Wochen Handy-Entzug: Das Experiment”. 69 Schülerinnen und Schüler eines Gymnasiums in Niederösterreich hatten sich freiwillig bereiterklärt, auf ihr Smartphone zu verzichten, dabei ihre Erfahrungen psychologisch begleiten und von einem Kamerateam einfangen zu lassen. Man erfährt hier eindrücklich, welch einschneidende Veränderungen dadurch im Alltag stattfanden und wie die zum Teil heftigen Entzugssymptome erlebt wurden.

Fazit: Die allermeisten Teilnehmer erlebten positive Effekte, und es begann ein Umdenkprozess hin zu einer „smarten Handynutzung”.

Smartphones wurden nicht zum Gebrauch für Babys, Kleinkinder und Kinder entwickelt. Es handelt sich vielmehr um Werkzeuge mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten für berufstätige Erwachsene.
(M. Spitzer)

Während in Deutschland aufgrund der föderalen Struktur des Bildungswesens immer noch diskutiert wird, ist in Österreich am 1. Mai 2025 ein Handyverbot bis zur 8. Klasse umgesetzt worden. Australien hat im Dezember 2025 ein Social-Media-Verbot für unter 16-jährige eingeführt und gilt damit als Vorreiter, Kinder und Jugendliche effektiv vor den Nebenwirkungen der digitalen Welt zu schützen. Immerhin ist auch hierzulande die Aufmerksamkeit für dieses schwierige Thema gestiegen: In den Medien wird vermehrt berichtet und vor negativen Folgen des ungeregelten Smartphonegebrauchs durch Kinder gewarnt, und das Thema „Screentime” – zu deutsch „Bildschirmzeit” – ist in vielen Familien zum Thema geworden.

Wohlgemerkt: „Screentime” bedeutet, alle Geräte mit Bildschirmen zusammenzuzählen, also Handys, Tablets, Spielekonsolen, Gaming-PCs, Laptops, Fernseher usw. Wenn man die Eltern und die Jugendlichen bei der Vorsorgeuntersuchung damit konfrontiert, erfährt man zunächst ungläubiges Erstaunen, da die tatsächliche Handynutzung meist weit über den Empfehlungen liegt.

Tipps zum Umgang mit digitalen Medien

Wie kann man praktisch mit diesen Empfehlungen umgehen?

Während bei kleinen Kindern die empfohlenen Zeiten und natürlich auch die Medieninhalte leichter zu steuern sind, muss spätestens ab dem Schulalter das Thema sehr regelmäßig besprochen werden. Eine große Hilfestellung ist das Aufsetzen eines Mediennutzungsvertrags: Hierbei wird von beiden „Parteien” – also Eltern und Kind – sehr konkret vereinbart, wie der Alltag mit Handy auszusehen hat. Alle müssen sich daran halten, so z. B. auch beim gemeinsamen Essen: „kein Handy am Tisch!” (Vorlagen dazu unter www.mediennutzungsvertrag.de). Eine solche Regelung wird als gerechter wahrgenommen und reduziert die täglichen Streitereien ums Handy.

Tipps zum Umgang mit digitalen Medien
0 bis 3 JahreBis drei: bildschirmfrei
3 bis 6 JahreHöchstens 30 Minuten an einzelnen Tagen und mit einem Erwachsenen
6 bis 9 JahreHöchstens 30 bis 45 Minuten an einzelnen Tagen und mit einem Erwachsenen
9 bis 12 JahreHöchstens 45 bis 60 Minuten freizeitliche Bildschirmnutzung
12 bis 16 JahreHöchstens 120 Minuten freizeitliche Bildschirmnutzung
16 bis 18 JahreOrientierungswert: höchstens 120 Minuten freizeitliche Bildschirmnutzung

Technische Möglichkeiten unbedingt nutzen:

Tipps zum Umgang mit digitalen Medien
  • Bei den meisten Geräten lässt sich die Bildschirmzeit voreinstellen (Handy, Tablet, PC) – danach geht das Gerät aus bzw. die meisten Anwendungen werden inaktiviert.
  • Altersbezogene Sperren einstellen, um nicht-jugendfreie Inhalte zu blockieren.
  • Die „Auszeit“ sollte festgelegt werden, z. B. Handy von 19:00 bis 7:30 Uhr.
  • Für technikaffine Eltern gibt es zudem Apps zur Fernsteuerung des Kinderhandys mit vielfältigen Einstellungen.
  • Bei PC-Spielen eine Stoppuhr verwenden, idealerweise eine laute analoge Eieruhr (z. B. 60 Minuten).
  • Die Geräte nachts nicht ins Kinderzimmer legen, sondern in eine gemeinsamen Ladestation
    z. B. im Wohnzimmer.

Klare Vorgaben/Verabredungen:

  • Abfolgen einhalten: zuerst Hausaufgaben und Schulranzen, dann Bildschirm.
  • Konsequent handeln, Verstöße ahnden (s. Mediennutzungvertrag)
  • Medienfreie Tage verabreden („digital detox”)

Welche Folgen hat die exzessive Bildschirmnutzung?

Die Folgen des „dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs”, wie es in der Fachsprache heißt – also vorwiegend der exzessiven Handynutzung, sind vielfältig: Allein die vielen Stunden am Tag fehlen an anderer Stelle: Zum konzentrierten Lernen, um Freunde zu treffen, um Sport zu treiben oder anderen Hobbies nachzugehen. Außerdem leiden Konzentration, Aufmerksamkeit und Schlaf, es kommt vermehrt zu Depressionen, Ängsten, einem gestörten Körperbild und Einsamkeit. Viele weitere Probleme könnten noch aufgezählt werden – bis hin zum Cybermobbing und zum Suchtverhalten.

Wenig bekannt ist, dass die Begrenzung der Screentime besonders auch für die Augenentwicklung wichtig ist. In Asien sind über 80 Prozent der Jugendlichen kurzsichtig, in Westeuropa 20–30 Prozent. Verantwortlich sind vor allem zwei Faktoren: Zunehmende Bildschirmarbeit auf kurze Distanz und zu wenig Zeit im Freien mit natürlichem Tageslicht beeinträchtigen die gesunde Augenentwicklung. Somit gilt (und galt schon immer):

Viel Bewegung an der frischen Luft!

Kinder sollten viel Zeit im Freien – an der frischen Luft – verbringen (schon ein bis zwei Stunden pro Tag wären hilfreich). Regelmäßige Pausen bei der Arbeit an Bildschirmen sollten eingehalten werden: Immer wieder zwischendurch „in die Ferne zu schweifen” – das ist in jeder Hinsicht gesund!

Tipps zum Umgang mit digitalen Medien

Eine 2024 erschienene wissenschaftliche „Leitlinie zur Prävention dysregulierten
Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend” gibt wertvolle Empfehlungen.

Hinweis: Der Artikel „Tipps zum Umgang mit digitalen Medien“ von Dr. Christian Lucae ist ursprünglich in unserer Mitgliederzeitschrift (02/2026) erschienen.

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Dr. med. Christian Lucae
Dr. med. Christian Lucae

Christian Lucae ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren mit Praxis in München. Er ist Mitautor der homöopathischen Sandkasten- und Schülerfibel sowie Autor des Ratgebers Fieberzäpfchen oder Wadenwickel? (erschienen im KVC Verlag) und beratender Arzt von Natur und Medizin e.V.