Naturheilkunde
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Ein Umgang mit Gefühlen

Ein Umgang mit Gefühlen

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Mentale Gesundheit Achtsamkeit

Kennen Sie es auch? Gefühle, die wie schwere Wolken im Kopf hängen und den Blick auf Sie selbst und die Welt verdunkeln. Manchmal spüren wir unsere Emotionen hingegen kaum – und wenn wir sie spüren, wollen wir sie am liebsten wegdrücken, vor allem Angst oder Schmerz. Das ist menschlich. Doch wenn wir diese Gefühle immer wieder verdrängen, suchen sie sich irgendwann ihren eigenen Weg – was uns auf Dauer verletzen kann. Wie also finden wir einen liebevolleren, heilsameren Umgang mit unseren Gefühlen?

Zunächst kann es helfen, sich bewusst zu machen, dass jedes Gefühl eine Botschaft mit sich bringt – auch die unangenehmen wie Angst, Wut oder Traurigkeit. Sie sind also keine Feinde, sondern haben meist etwas Gutes im Sinn, auf ihre Art und Weise. D.h. sie sind Wegweiser für uns. Fragen Sie sich also gerne, wenn sich das nächste Mal ein unangenehmes Gefühl zeigt, was es Ihnen mitteilen will. Warum ist es da? Was ist das (eigentliche) Thema? Und was brauchen Sie gerade, um z. B. besser durch den Tag oder eine Situation zu kommen? Das kann alles Mögliche sein, etwa eine Tasse Tee, ein Spaziergang, ein Gespräch mit einem guten Freund, eine Pause …

Gefühle wahrnehmen statt bewerten

Gefühle sind nicht falsch, sie sind einfach da und gehören zum Leben dazu. Probieren Sie gerne einmal aus statt „Ich sollte/ will nicht so fühlen…“ lieber „Ich fühle gerade…“ zu denken. Das schafft mit der Zeit Akzeptanz für das, was da ist. Und auch darüber können sich Gefühle gesehen fühlen und in ihrer Intensität abnehmen.

Gefühlen Raum geben

Gefühle dürfen da sein. Sie wollen wahrgenommen und nicht weggedrückt werden. Sitzt ein Gefühl fest oder taucht öfter auf, macht es Sinn, sich Zeit für es zu nehmen. Wenn es gerade nicht passt, weil Sie vielleicht unterwegs oder im Büro sind, so nehmen Sie sich gerne später Zeit für das Gefühl (z.B. 15 oder 30 Minuten, so wie es passt). Schreiben Sie es vielleicht sogar in Ihren Kalender, quasi als Verabredung mit sich selbst. Das kann das Gefühl oft erstmal schon etwas beruhigen.

Gefühle im Körper spüren

Wo im Körper spüren Sie das Gefühl? Und wie fühlt es sich an? Ist es eher klein oder groß, leicht oder schwer? Nehmen Sie es bewusst wahr und atmen Sie, wenn Sie mögen, einmal langsam in diese Region. Das kann die Wahrnehmung sowie die Verknüpfung mit dem Körper schulen. Übrigens: Auch manche Redewendungen geben schon Hinweise darauf, dass sich Gefühle öfter auf körperlicher Ebene zeigen, wie etwa „Mir sitzt die Angst im Nacken“.

Ein Umgang mit Gefühlen

Bei sich bleiben

Machen Sie sich bewusst, dass Sie zwar Gefühle haben, aber nicht Ihr jeweiliges Gefühl sind. Das verschafft Ihnen wieder mehr Handlungsfreiheit und womöglich auch etwas Abstand zu dem Gefühl. Sie gehen dann in eine Beobachterposition, aus der Sie wieder klarere Entscheidungen treffen können.

Teilen und Transparenz helfen

Reden Sie z.B. mit einer Ihnen nahestehenden Person über das, was Sie fühlen. Oder, wenn gerade niemand greifbar ist, schreiben Sie intuitiv das, was Ihnen zu dem Gefühl in den Sinn kommt, auf. Das kann für Erleichterung sorgen. Und, ganz wichtig: Sollten Sie ständig unter belastenden Gefühlen oder auch einer Gefühlsleere leiden, dann scheuen Sie sich bitte nicht, sich zunächst therapeutisch begleiten zu lassen. Das ist keineswegs ein Zeichen von Schwäche, sondern vielmehr von Selbstverantwortung und -fürsorge.

Wenn wir uns nun etwas Zeit nehmen, um genauer hinzuschauen und bewusster reinzuspüren - das Gefühl also einfach einmal da sein lassen - kann es danach oft weiterziehen. Die zuvor genannten Impulse können dabei hilfreich sein. Probieren Sie gerne einmal (oder auch regelmäßig, z. B. einmal die Woche oder nach Bedarf) das ein oder andere aus. Mit etwas Übung können Sie so, falls gewünscht, den Zugang zu Ihren Gefühlen verbessern, was wiederum auch positive Effekte auf Ihr Wohlbefinden haben kann. Ihnen wird dann schneller bewusst, was gerade Thema ist und was Sie tun können bzw. gerade in dem Moment brauchen. Wie alles im Leben, ist auch der Umgang mit Gefühlen etwas, was gelernt werden muss.

Es ist ein Prozess, der Zeit benötigt.

Haben Sie also Geduld mit sich, wenn es Ihnen nicht sofort gelingt oder wenn Sie auch mal wieder in alte Muster zurückfallen – es ist ein Prozess, der entsprechend Zeit benötigt. Manchmal geht er in kleinen Schritten voran, manchmal in großen und plötzlich wieder ein Stück rückwärts. Das ist normal. Und jeder noch so kleine Erfolg darf dabei gefeiert werden.

Ein Beispiel aus der Praxis

NATUR UND MEDIZIN sagt: Aufpassen!

Emmas Angst

Emma H.* wurde ständig von Ängsten aufgesucht. Fast war es schon normal, hätte es sie nicht in ihrem Alltag so stark eingeschränkt. Andere Menschen, besonders Gruppen, waren ihr nicht geheuer. „Da ist immer so viel los und ich habe das Gefühl, ständig auf der Hut sein zu müssen“. So schob sie auch ihren Wunsch, im Sportverein um die Ecke ihres Hauses einen Zumba-Kurs zu besuchen, immer wieder beiseite. „Gibt ja heute gute YouTube-Videos für sowas“, sagte sie. Dennoch merkte Emma, dass ihr die Verbindung zu anderen zunehmend fehlte.

Auch Arztbesuche vermied sie lieber. Da sie jedoch auch Angst vor schlimmen Krankheiten hatte, befand sie sich mittlerweile in einer Zwickmühle. „Was, wenn da etwas in mir schwelt und ich es gar nicht mitbekomme?“, fragte sie sich.

Der innere Druck wurde größer, die Angst hielt sie jedoch weiter zurück. So vergingen weitere Monate, bis sie endlich den Entschluss fasste, sich ihrer Angst zu stellen. Da sie es allein (noch) nicht schaffte, nahm sie ihren Mut zusammen und begann eine Therapie.

„Eine dunkle Figur mit großen Augen“

Mit der Zeit fasste sie immer mehr Vertrauen zu Ihrer Therapeutin. Diese lud Emma schließlich ein, mit ihrer Angst direkt in den Dialog zu treten und ihr zuzuhören, statt sie wegzuschieben. Als erstes sollte sie beschreiben, wie die Angst vor ihrem inneren Auge aussah und wie sie sich anfühlte. Emma beschrieb eine kleine dunkle Figur mit großen Augen, die fast schon zerbrechlich wirkte, sich aber – wenn sie es für nötig hielt – plötzlich um das Vierfache aufblähen konnte. Dann nahm sie viel Raum ein und sorgte bei Emma für große Nervosität: „Ich habe das Gefühl, sie sitzt in meinem Magen“. Sie wünschte sich, dass die Angst sie in Ruhe ließ, und sagte ihr das in der Sitzung auch. Aber die Angst blieb. Ihre Therapeutin bat sie, nun die Angst einmal zu fragen, was diese ihr denn mitteilen wollte. Emma lauschte eine Weile mit geschlossenen Augen nach innen. „Sie will mich beschützen“, sagte sie und wirkte nachdenklich. Ihr Blick auf die Angst änderte sich. Im weiteren Verlauf erkannte sie, dass die Angst schon sehr alt war – entstanden in Zeiten, in denen sie sich selbst noch nicht wehren konnte und Schutz gebraucht hätte. Sie nannte eine Mobbingsituation in der Schule und einen übergriffigen Arzt. Auch sei ihre Mutter oft ängstlich gewesen. Nun konnte sie ihre Angst besser verstehen – sie hatte all die Jahre versucht, sie vor weiteren Situationen wie diesen zu beschützen.

„Eine Art innere Beraterin“

Von da an nahm Emma sich, wenn nötig, vor entsprechenden Situationen etwas Zeit, um ihrer Angst zuzuhören. Sie fragte sie dann, was das Thema sei und was sie gerade brauchte. Finale Entscheidungen trifft sie als heute Erwachsene nun aber selbst. Emma wurde so mit der Zeit deutlich selbstwirksamer und -bewusster. Und auch die Angst veränderte sich, nahm in ihrer Intensität ab und wurde mehr zu einer Art inneren Beraterin.

In kleinen Schritten baute sich Emma außerdem einen kleinen, feinen Freundeskreis auf und meldete sich mit einer Freundin schließlich auch zum Zumba-Kurs an. Ärztliche Vorsorgeuntersuchungen nimmt sie heute ebenfalls wahr.

Natürlich war und ist das alles ein Prozess, der mal Fort- als auch Rückschritte machte oder stagnierte und, gerade, weil es ein altes Gefühl war, entsprechend Zeit benötigte.

*Fallbeispiel, angelehnt an Erfahrungen aus der Praxis; Name und Details verfremdet.

Hinweis: Der Artikel „Ein Umgang mit Gefühlen“ von Vanessa Kämper ist ursprünglich in unserer Mitgliederzeitschrift (01/2026) erschienen.

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Vanessa Kämper, M.A.
Vanessa Kämper

Vanessa Kämper ist seit 2024 als Redakteurin für die Karl und Veronica Carstens-Stiftung tätig. Zuvor hat sie bereits viele Jahre in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet, vorrangig im Gesundheitswesen. Sie ist außerdem selbstständig als Heilpraktikerin für Psychotherapie und freie Redakteurin.